Nominelle und abstrakte Endungen

Dies ist eine Liste von Endungen die bei Quenya Nomen auftauchen. (Die Stämme KOR, GALA, PAR etc. sind auf den Etymologien in LR:347-400 sofern keine andere Referenz angegeben wurde) Abgesehen von den hier gelistete Endungen, können gewöhnliche Nomen hergeleitet werden durch das Hinzufügen der Vokale -a, -ë, -o oder (sehr selten) -u zum Wortstamm; dies ist manchmal verbunden durch verlängerung des stamm Vokals, manchma nicht: porë "Mehl" von POR, mírë "Juwel" von MIR, róma "lauter Ton" von ROM, malo "Blütenstaub" von SMAL. (Die wenigen Nomen mit -i scheinen weiblich zu sein; siehe auch Weibliche Endungen.)

-at: in hyapat "Schuh", sarat "Rúmilianischer Buchstabe" (SKYAP, LAN, WJ:396). Ursprüngliche Bedeutung unbekannt; mag wohl einfach eine erweiterte Form des Stamms repräsentieren. Die Worte mit -at sind auch Beispiele von so genannten kalat-Stämmen, geformt durch suffixierung des Stamm Vokals (so genannte ómantaina, WJ:417) und hinzufügen von -t (siehe WJ:392). Demnach, ist die Endung nicht direkt -at, sondern nur -t (rukut hergeleitet von RUKU [WJ:389]; das Wort scheint keine Abkömmlinge im Quenya zu besitzen).

-ba: möglicherweise ein Allomorph von -wa (siehe unten) welcher nach m auftaucht: romba "Trompete" von ROM "lautes Geräusch". Alternativ, könnte das B von -ba einfach teil einer "medialen Befestung" sein M > MB.

-ë kombiniert mit der Verlängerung des Stamm-Vokals wird benützt um verbale Nomen zu gewinnen. Manchmal gleitet der Sinn des gewonnene Wortes vom abstakten zum eher konkreten, was auf ein Objekt oder Phänomen hindeutet welches durch das korrespondierende Verb produziert wurde: nut- "binden", nútë "Knoten" (etymologisch *"bindung?"), lir- "singen", *lírë "Lied" (etymoligisch *"Gesang"; das Wort ist mit einem Stern gekennzeichnet weil es nur im instrumentallfall (lírinen) vorkommt/bestätig ist); auch sírë "Fluss" (etymoligisch "Gefliesse") von sir- "fliessen". Diese Methode der Herleitung scheint auf einfache Verb-Stämme beschränkt zu sein. Aber die Endung -ë wird auf verwendet um abstrakte Nomen aus Adjektiven zu gewinnen die mit -a enden: aira "heilig", airë "Heiligtum" (PM:363).

-ië: abstrakte Nomen. In WJ:394 wird tengwestië "Sprache [Abstraktum]" "abstrakte Formation" genannt, basierend auf tengwesta "System oder Code von Zeichen", *"[jede individuelle] Sprache". (Tengwesta ist auch als "Grammatik" [TEK] angegeben, jedoch nur in Referenz zur Grammatik oder dem System einer spezifischen Sprache, nicht "Grammatik" als Abstraktum). Beispiele von -ië aus den Etymologien beinhalten verië "Kühnheit" vom adjektiv verya "kühn" (oder dem Verb verya- "zu wagen", BAR) und voronwië "Ausdauer" vom Adjektiv voronwa "ausdauernd" (BORÓN). Beachte dass diese Endung das finale -a und die gesamte Endung -ya ersetzt. Manchmal deutet es sogar auf eine Ansammlung/Kollektion von etwas hin: sarna "aus Stein" (SAR), sarnië "Kies" (UT:463). Auch olassië "Ansammlung an Blättern, Laub" (< lassë "Blatt"); das Prefix o- bedeutet "zusammen" (Briefe:282). Das Wort enquië "[sechs-tage] Woche" von enquë "Sechs" weist auf eine Einheit oder Ansammlung von sechs (in diesem Fall Tage) hin.

-lë wird typischerweise verwendet um verbale Nomen herzuleiten: horta- "beschleunigen", hortalë "Beschleunigung" (KHOR), intya- "raten", intyalë "Vorstellung" (lit. *"Ratung", INK), vesta- "heiraten", vestalë "Heirat" (BES). Diese verbalen Nomen können direkt aus dem Stamm geformt werden wenn er in einen Vokal endet: tailë "Verlängerung" (TAY [oder *TAI] "erweitern, verlängern"), cuilë "leben" (KUY "aufleben"). Im Fall dass die Grund Stämme in einen Konsonanten enden, kann die Endung -lë zu einer nasal-infixierten form von ihnen hinzugefügt werden: mancalë "Kommerz" von manca- "handeln", welches seinerseits hergeleitet wird von MBAKH "Handel", oder quentalë "Konto" von KWET- "sprechen". Die Endung -lë wird auch benutzt um konkrete Nomen aus Adjektiven abzuleiten: oia "immerwährend", oialë "Ewigkeit", aica "scharf", aicalë "ein Zacken" (AYAK), merya "festlich", meryalë "Freizeit" (MBER).

-ma: Endung die auf ein Ding hinweist, welches mit der Stamm-Bedeutung zu tun hat, entweder seinen Eigenschaften oder aus der verbalen Aktion der Frage produziert wird, oder sogar ein Werkzeug ist um es herzustellen: corma "ring" von KOR "rund" (corma ist nicht in den Etymologien zu finden, aber cormacolindor "Ringträger" in HdR3/VI / Briefe:308), parma "Buch" von PAR "kombinieren, zusammenfügen", neuma "Falle" von SNEW "einzäunen". Das "Ding" kann abstrakt oder konkret sein: alma = abstrakt "Glück" oder eher konkret "Wohlstand" (Stamm GALA "aufblühen", Quenya-Wort alya "reich"). Es ist übrigens möglich dass -ba und -wa Allomorphe dieser Endung sind, welche verwendet werden nach m und n.

-më: erzeugt üblicherweise abstrakte, oder zumindest ziemlich unbestimmbare, Dinge: melmë "Liebe (mel- "lieben"; MEL), qualmë "Leid" (KWAL "schmerzhaft sterben"), hormë "Dringlichkeit" (KHOR "dringend"), milmë "Gier" (MIL-IK), nilmë "Freundschaft" (NIL "Freund"). Weniger abstrakt, aber trotzdem unbestimmbar ist lúmë "Zeit, Stunde" und lómë "Nacht" (LU und DO3, DÔ, Stammbedeutungen nicht vorhanden). Manchmal ist der ursprüngliche abstrakte Sinn expandiert um etwas konkreteres zu inkludieren: ein Beispiel hierfür ist holmë "Duft", worin PQ *ñolmê (Rekonstruktion) ein verbales Nomen "Geruch" hergeleitet von ÑOL "riechen (intr.)", Geruch abgeben (auch laimë "Schatten" von DAY "Schatten" [als Verb?]). Genauso kann das Wort telmë "Abdeckung" auch benutzt werden für ein konkretes Objekt: "Kaputze" (TEL). Auch silmë "Sternlicht" (Anhänge E) oder "Licht von Silpion" (Telperion) vom Stamm SIL "silbern scheinen". In einigen Fällen, fungiert -më einfach als Nominalendung: palmë "Oberfläche" von PAL "weit (offen)". In diesem und einigen anderen Fällen könnte man sagen es hätte eine lokale Bedeutung: undumë "Abgrund" von undu "unter", erumë "Wüste" von ERE "alleine sein", celumë "Strom" von KEL "gehen, laufen (speziell Wasser)". (Es ist nicht klar wo das u von erumë und celumë herkommt; Wir müssen vermutlich annehmen dass der Stamm auch in den Formen *ERU, KELU vorkommt; ein Stamm kelu- "rasch hinausfliessen" wird tatsächlich in UT:426 erwähnt.)

-në: Offensichtlich ein nominaler Gegenpart der adjektivischen Endung -na; vergleiche das Adjektiv corna "rund" (KOR) mit dem Nomen cornë "[runder] Kreis" (LT1:257), vergleiche auch sarna "aus Stein" und sarnë "starker Platz" (lit. *"etwas, stark wie Stein"? SAR), auch lannë "Gewand" von LAN-"weben" (lannë ist ein nominaler Gegenpart vom adjektivischen *lanna "gewoben", weshalb lannë = "etwas durch weben gemachtes").

-on (-ond-) in andon "grosses Tor", aldëon "Allee" - siehe -on unter Maskuline Endungen

-rë: Es scheint dass X-rë soviel wie "Zustand bei Besitz von X" bedeutet (almarë "Frohsinn, Glückseeligkeit" von alma "Glück"). Besitze ich also Glück, habe ich Frohsinn. Nicht zu verwechseln mit der weiblichen Endung -rë.

-së: Endung einiger Nomen, wie lapsë "Baby", litsë "Sand" (Stämme LAP, LIT, Bedeutung nicht verfügbar), auch taxë (tacse) "Nagel" von TAK "fixieren", primitiv Form *taksê. Im Falle von nixë (nicsë) "Frost" vom Stamm nicu- "kalt/gefroren sein" sollte hingewiesen werden dass die Endung -së den finalen Vokal des Stammes ersetzt (WJ:417). Erscheint diese Endung auch bei essë "Name" von ES "andeuten" Oder ist es hier nur eine finale Konsonanten Reduplikation?

-sta: In tengwesta "Grammatik" (TEK) oder "System/Code von Zeichen" (WJ:394). Die Etymologien und WJ:394 stimmen nicht überein bei der Herkunft des Wortes tengwesta, aber wenn wir WJ:394 rechtgeben, welches die spätere Quelle ist, wurde das Wort von tengwë "Zeichen" abgeleitet. Das bedeutet X-sta heisst "system von X's, Sammlung von X's". KHAW primitiv *khau-stâ ist bezeichnet als "rast-en", angedeutet dass -stâ (> Quenya -sta) eine einfache verbal Nomen Endung ist. Soll man diese ältere Quelle ignorieren oder darauf schliessen dass -sta mehrere Abstufungen heissen kann? Was auch immer der Fall sein sollte, scheint diese Endung jedenfalls nicht sehr produktiv in Quenya zu sein.

-t: In nat "Ding" von N² "sein": lit. *"etwas dass ist". Das ist fast exakt die selbe Endung -t die als Suffix bei den kalat-Stämmen verwendet wird; siehe -at oben.

-wa: In lanwa "Leinen" von Lan "weben"; möglicherweise ein Allomorph von -ma welcher nach n benützt wird. Nicht zu verwechseln mit der adjektischen Endung -wa.

-wë: Grundsätzlich Abstrakte, wie voronwë "Vertrauenswürdigkeit" (UT:305, 317) Offensichtlich vom Stamm BORÔN. Nach n, wie in diesem Fall, kann man -wë auch als alternative Form zu -më betrachten. Worde die mit -wë enden können auch auf etwas deuten, dass produziert wird durch die Aktion des Stammes: Wie z.B.: SKAR- "reissen" welches harwë "Wunde" erzeugt (primitiv *skarwê; es gab wahrscheinlich einen semantischen Übergang vom vollständig abstraktem "reissen" zum konkreten Wort Wunde).